Wenn Technologie korrumpiert wird

Post von realloc | Einsortiert in Meckerecke am 27. März 2010 | 8 Kommentare

Zurzeit wollen die Diskussionen zur Frage, ob gekürzte Feeds irgendeinen Sinn haben, nicht abebben. Das Problem bei diesem Thema ist, dass beide Seiten Argumente haben, die irgendwie stimmig scheinen. Allerdings nur solange, wie man darüber nachdenkt, was von RSS heutzutage erwartet wird, und nicht wofür es eigentlich gut ist und welche Möglichkeiten sich beispielsweise allein durch RDF eröffnen.

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr schweifen man Gedanken ab. Das liegt einfach daran, dass sich mir zwangsweise Parallelen zu anderen Technologien oder Kanälen aufdrängen, die ein hartes Schicksal erleiden mussten, weil irgendwann einmal die Frage nach deren Wirtschaftlichkeit gestellt wurde. Das Kreuz mit den Erfragern der Wirtschaftlichkeit ist ja, dass sie keine Interesse an daran haben, ob etwas langfristig und nachhaltig zum Erfolg führt.

Nehmen wir beispielsweise mal HTML, das anfangs nur von den Designern kompromittiert wurde (die damit verbundenen Probleme sind auch heute noch spürbar). Aber mal abgesehen von diesem Umstand, ging es nicht bei HTML-Dokumenten ursprünglich um die Vernetzung von Informationen mittels Hyperlinks? Oder ein aktuelleres Beispiel: die Social Bookmarks. Waren die nicht eigentlich dafür gedacht, dass man seine Lieblingsseiten von jedem Computer aus nutzen kann?

Wenn man sich ähnliche grundsätzliche Fragen zu RSS stellt, erkennt man schnell, warum gekürzte Feeds komplett am eigentlichen Sinn vorbeigehen.  Die Contents, die in den verschiedensten Tools verarbeitet werden, sind völlig unabhängig von Problematiken, die sich durch die Wahl des Browsers oder durch die Verwendung eines bestimmten Endgerätes ergeben. Einer der großen Vorteile ist zudem, dass es völlig unerheblich ist, ob man online ist oder ob man die abonnierten Feeds einmal lädt und dann offline auf dem Weg zur Arbeit liest.

Wenn Du ein Blog betreibst und Deine Leser “nur” über den Feed erreichst, so what? Deine Botschaft ist angekommen. Wenn es etwas zu diskutieren gibt, werden sie ganz von allein kommen. Wenn nicht, war dem vermutlich nichts mehr hinzuzufügen. Erst, wenn man nach einem Artikel auf einmal keine Feed-Leser mehr hat, würde ich mir Gedanken machen. Ach, Du hättest sie lieber direkt auf dem Blog und deshalb wird gekürzt? Warum? Damit Sie auf die Werbung klicken? Hmm, mir klingelt schon die Adblocker-Diskussion in den Ohren.

Das sind meiner Meinung nach alles Dinge, welche Online-Magazine jetzt und zukünftig mit ihren Lesern oder Kunden austragen dürfen. Da es in den Verlagen scheinbar noch an  zündenden Ideen mangelt, wie sich das Geschäftsmodell ihres Druckerzeugnisses auf das Netz übertragen lässt. Vielleicht kann man es nicht übertragen und muss eine völlig neue Vision entwickeln. Das wird nur schwierig, wenn dann wieder jemand kommt und nach kurzfristiger Wirtschaftlichkeit fragt.

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8 Antworten auf “Wenn Technologie korrumpiert wird”

  1. Andreas sagt:

    Von mir gibt es auch nur die ungekürzte Fassung.
    Ich selbst abonniere auch nur ungekürzte Feeds, damit ich sie bequem im Reader oder dem iPhone lesen kann. Wenn ich was zu sagen habe, verlasse ich den Reader und gebe meinen Kommentar ab.

  2. realloc sagt:

    Ich gehe davon aus, dass Deine Vorgehensweise von ganz vielen Nutzern geteilt wird. Vor allem Leser, die ein Smartphone oder etwas ähnliches benutzen, werden vermutlich keine kurzen Feeds lesen wollen.

  3. Andreas sagt:

    Gekürzte Feeds im iPhone sind eine Katastrophe, da das Teil kein Multitasking kann. Folgt man einem Link, dann fliegt man gleich aus dem Reader raus und muss ihn anschließend neu starten.
    Beiträge die ich kommentieren möchte, markiere ich mir und kommentiere dann zu Hause am Rechner.

  4. Crazy Girl sagt:

    Ich habe zwar kein Smartphone aber dennoch kommen mir gekürzte Feeds nicht in die Tüte. Ich habe so einige Feeds in meinem Feedreader und wenn ich jedes Mal auf die entsprechende Internetseite wechseln müsste, um den jeweiligen Artikel lesen zu können, für was bräuchte ich dann noch einen Feedreader? Was für Zeit dabei drauf geht etc. ist auch noch ein Punkt…
    In meinen Augen schießen gekürzte Feeds komplett am Ziel vorbei. Entweder wird mir ermöglicht das alles in meinem Medium der Wahl zu lesen oder ich bin eben kein Leser…

  5. realloc sagt:

    Da bin ich 100% Deiner Meinung. Ich kann ja verstehen, dass gerade Blogs mit ordentlichem Traffic nach Wegen suchen, die ganze Geschichte gegen zu finanzieren. Aber da bei den Feeds anzufangen, ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

    Die Message kommt auch so an. Werbung bzw. Affiliate-Links kann man auch über die Feeds ausliefern. Und am Ende kann ich über interne Links versuchen, die Leute wieder auf die Seite zu holen.

    Die Ausrede, dass man dem Mediapartner entsprechenden Traffic anzeigen muss, erscheint mir auch nicht plausibel. Da sollte es ein Umdenken geben, wie man Stamm- bzw. Feedleser betrachtet.

  6. Crazy Girl sagt:

    Ich verdiene ja auch Geld mit meinen Blogs aber ich glaube, dass ein gekürzter Feed sich diesbezüglich eher negativ als positiv auswirkt, denn unterm Strich wird man wesentlich mehr Leser damit verärgern als erfreuen.

  7. realloc sagt:

    Ja, Du kannst Dich ja sicher noch an den Knall erinnern, als beim Basic Thinking Blog die Mitteilung herausgegeben wurde, dass deren Feed zukünftig gekürzt würde. Da gab es Kommentare in jeder Farbe. Gut getan hat dieser Schnellschuss dem Ansehen des Blogs ganz sicher nicht, würde ich behaupten.

  8. Crazy Girl sagt:

    Das meine ich auch, war in meinen Augen alles andere als förderlich ;-)

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