Unnütze Tools gegen Twitter-Spam

Post von realloc | Einsortiert in Marketing, Meckerecke am 16. Februar 2010 | 9 Kommentare

Gestern war ich drauf und dran, einen bösartigen Artikel schreiben. Nachdem ich mir Ich Twitter-Spammer, Du armer Blogwart aber noch einmal durchgelesen hatte, ist der Post umgehend in den Mülleimer gewandert. Das war selbst für meine Meckerecke zu hart. Manche Sachen muss man eben wirklich erst einmal sacken lassen, um die Dinge auch aus einer anderen Perspektive betrachten zu können.

Einige der Probleme, die Twitter mit dem SPAM hat, sind nämlich hausgemacht. Seitdem dort die Listen eingeführt wurden, kann man fast jeden wahllos zurückverfolgen. Am Ende liest man ja doch nur über die selbst angelegten Listen, die das Grundrauschen auf ein erträgliches Maß reduzieren. Auch wenn man jemandem nicht direkt folgt, reicht das Hinzufügen des Mitglieds zu einer der eigenen Listen aus, um ein richtiger Twitter-Stalker zu werden.

Das ganze erscheint zunächst legitim. Sind doch die Tweets zahlreicher Personen öffentlich, und es ist ausserdem anzunehmen, dass selbige Twitter als Marketinginstrument sehen und den (vermutlich qualifizierten) Traffic durchaus zu schätzen wissen, der vom Social Network auf deren Websites ankommt. Zumindest bei mir ist das ein nicht unwesentlicher Teil der Besucher.

Andererseits gibt es da ein Problem mit den Listen. Es finden sich durchaus Teilnehmer des Dienstes, die sich aus verschiedensten Gründen auf einigen Listen nicht vermerkt wissen wollen. Der einzige Weg (ohne mit jemanden sprechen zu müssen), sich aus einer Twitter-Liste  zu entfernen, besteht darin, den Listenersteller zu blocken.

Das ganze hört sich vielleicht im ersten Augenblick noch nicht schlimm an. Allerdings bringt mich genau das zu den externen Diensten, die auf der Basis ihrer eigenen Algorithmen Spammer bei Twitter aufspüren wollen und nicht nur eine Liste vermeintlicher “Übeltäter” sondern auch die Möglichkeit des “Massen-Blockens” anbieten.

Ich war ziemlich schockiert darüber, wie viele von meiner Followers angeblich aktiv Twitter-SPAM praktizieren sollen. Manchmal sind die Kriterien der Dienste nicht wirklich nachvollziehbar gewesen. Aber mindestens 2 dieser “Helfer” gaben die Häufigkeit an, mit der ein Account geblockt wurde, was in der Kombination mit den obigen Informationen schon grotesk wirkt.

Ich will die Probleme mit dem SPAM keineswegs herunterspielen. Es existieren genügend Gestalten, die einem Malware unterschieben oder abstruse Geschäfte machen wollen. Allerdings wird Twitter von vielen wahrscheinlich ganz unterschiedlich wahrgenommen, was  eben auch bedeutet, dass es (zum Glück) keinen Konsens gibt, wie man diesen Kanal nutzt und ab wann Marketing bereits als SPAM bezeichnet werden kann.

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9 Antworten auf “Unnütze Tools gegen Twitter-Spam”

  1. Magrit sagt:

    Twitter ist schon so eine Sache für sich. Was anfangs nur zum Spaß von privaten Nutzern benutzt wurde, wurde sehr schnell kommerziell. Heute wird Twitter fast nur noch von Unternehmen genutzt, die für sich und ihre Produkte Werbung machen möchten. Ich persönlich finde das aber eine sinnvollere Nutzung, als wenn man postet was man gerade zum Frühstück gegessen hat. Sicher ist nicht alles was man bei Twitter zu lesen bekommt seriös, aber ich denke es gibt auch interessante Posts, die schon das ein oder andere Interesse wecken können.

  2. realloc sagt:

    Ja, das sehe ich auch so. Der Grat zwischen SPAM oder Werbung ist eben gerade in den Social Networks recht schmal. Da kann es schnell passieren, dass man sich ein paar “Blocks” einfängt und von einigen dieser Tools dann automatisch als Spammer angesehen wird.

  3. Andreas B. sagt:

    Ein und derselbe Tweet wird von verschiedenen Menschen ja ganz unterschiedlich wahr genommen, jeder hat seine eigene Definition von Spam. Beispielsweise kann ich bei einem DVD-Verleih automatisch in Twitter eintragen lassen, welche Filme ich zugeschickt bekomme. Da ich ein großer Filmfan bin und diese Leidenschaft mit anderen teile, sehen einige meiner Freunde darin eine interessante Information und sprechen mich vielleicht darauf an, wie der eine oder andere Film gewesen ist, deswegen habe ich das auch gemacht. Andere empfinden das vielleicht als vollkommen nutzlosen Werbespam.

  4. realloc sagt:

    Genau das meine ich. Wer bestimmt denn die Regeln, wie ich Twitter zu nutzen habe? Jeder definiert das für sich ganz anders und das soll meiner Meinung nach auch so bleiben.

    Wenn ich keine Lust mehr habe, die Tweets von bestimmten Personen zu lesen, kann ich auch ganz einfach “entfolgen”.

    Aber Tools, die über Algorithmen feststellen wollen, ob bestimmte Follower “SPAM”, “Crap” oder sonst irgendwas sind, stören mich schon allein deshalb, weil sie oft mehr schaden als nützen.

  5. Jessi sagt:

    Die ewige Diskussion was ist nun Werbung, Spam, was ist privat und nett gemeint und was nicht. Letztendlich kann ja jeder selbst entscheiden welche Plattformen er nutzt falls er sich belästigt fühlt.

  6. realloc sagt:

    @Jessi Darum geht es nicht. Mir ging es darum, dass es Tools sind, die entscheiden, ob Du ein Spammer bist oder nicht. Und wenn zur Entscheidungsfindung die Anzahl der Blocks herangezogen werden, wird die Sache noch weniger lustig.

    Mal abgesehen davon, kann man heute nicht mehr entscheiden, ob man einen Marketingkanal benutzt oder nicht. Bist Du nicht dort präsent, wo es “kracht”, bist Du automatisch draussen… ;)

  7. Martin R. sagt:

    Erst vor kurzem habe ich meinen Twitter-Accout komplett resettet und erst nach und nach wieder alles aufgebaut. Ich finde, Twitter entwickelt sich immer mehr zu reinem Spam, denn es gibt viel zu viele Nutzer, die einfach nur sinnlos adden. Der eigentliche Sinn von Twitter ist doch eigentlich, dass man einem kleinen Kreis an Freunden und Bekannten folgt, aber nicht der halben Welt.

  8. realloc sagt:

    @Martin R. Im Idealfall folgt man einer Handvoll interessanter Leute und die halbe Welt folgt einem, weil man so furchtbar interessant ist… ;)

  9. realloc sagt:

    Man soll ja niemals nie sagen. Es gibt inzwischen doch ein Tool, das ich sehr nützlich finde: The Twit Cleaner… Ausprobieren!

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