Querdenkender Webworker mit WordPress-Affinität

Hater lieben lernen

Es ist schon einige Tage her, als ich mir das Video zum Beitrag “How to survive a shitstorm” von Sascha Lobo angesehen hatte. Ich erinnere mich noch ganz gut, dass ich mir in den ersten Sekunden nach dem Start der Aufnahme dachte: Warum spricht der ausgerechnet darüber? Ist der Slot auf der re:publica 2010 so überraschend frei geworden, dass er auf die Schnelle einen Vortrag aus dem Hut zaubern musste? Dem ist wahrscheinlich nicht so. Da bin ich fast sicher, wenn ich ein paar Blogposts der letzten Tage Revue passieren lasse.

Trolle, oder im Neusprech “Hater” gibt’s ja inzwischen in jeder Form und Farbe. Schon vor Jahren durfte man sich bereits an den Glaubenskriegen der Anhänger verschiedener Betriebssysteme oder Programmiersprachen erfreuen. Seitdem man sich nun direkt seinem Publikum stellen muss, ohne sich hinter einer Marke, Firma oder sonst irgendetwas verstecken zu können, darf – so glauben einige – auch offen und direkt gehasst werden. Handelt der Angefeindete dann konsequent und entzieht dem Troll die Plattform, wird sofort “Zensur!” gerufen.

“Das Internet bietet Anonymität.”, antwortet einer der Kommentatoren auf Caschys Frage: “Woher kommt der Hass?”. Gleich danach folgt ein Zitat von Klaus Kinski: Schlechtes Benehmen halten die Leute doch nur deswegen für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. Mir drängt sich da unweigerlich ein Bild einer alltäglichen Situation im Straßenverkehr auf, wenn wieder mal ein Halbaffe mit Lichthupe drängelnd so nah auffährt, dass man seine Bartstoppeln im Gesicht zählen kann. Sobald er aus der Anonymität seines Autos steigt, ist er vielleicht eine ganz Netter.

Zusätzlich zu den notorischen Störenfrieden, gibt es noch eine Unterart dieser Gattung von Zeitvergeudern. Da gab es vor einiger Zeit schon eine Geschichte, die einige Parallelen zu dieser aufzuweisen hatte. Allerdings überraschte mich speziell Piets Reaktion mit “Achtung! Auf diesem Blog wird geworben”. Ein vorangegangener Artikel von ihm wurde in einem Kommentar dahingehend kritisiert, dass er mit einer klaren kommerziellen Absicht geschrieben worden war. Weiterhin verlangte der Kritiker, von solchen Artikeln zukünftig verschont zu bleiben. Hier soll der Spieß anscheinend umgedreht werden, Zensur durch den Leser.

Ich halte es da lieber mit Tim Ferris, dessen gestriger Beitrag “Tim Ferriss Scam! Practical Tactics for Dealing with Haters” sich ebenfalls mit dem Phänomen auseinandersetzt. Das eingebettete Video, welches während seines Vortrags auf der The Next Web in Amsterdam aufgenommen wurde, kann ich nur empfehlen. Wie so oft vermittelt er unterhaltend ein Thema, dass auch indirekt mit dem Konzept der 4-Stunden-Woche zu tun hat. Seiner Meinung nach ist die Auseinandersetzung mit dem Troll reine Zeitverschwendung. Abgesehen von dieser Tatsache sind Hater wohl auch ein Erfolgsindikator.

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Kommentare

  1. Danke für diesen Überblick. Den Artikel von Piet kannte ich bereits. Auch die anderen Links passen wirklich gut zum Artikel und bereichern das Thema.

    Die Präsentation von Tim Ferriss fand ich auch sehr beeindruckend.

  2. Interessant an der ganzen Geschichte finde ich auch, dass in der deutschen Blogosphäre die Auffassung vertreten wird, es würde sich vor allem um ein lokales Phänomen handeln. Dem ist aber scheinbar nicht so!

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